Francisco Josephinum - Schule
 

 
 
FJStartseite BLT
DruckeransichtIntranetKontaktImpressumSitemap
Technik > Agro-Mechatronik > Chiptuning 
 
 
Deutsch Englisch
Die BLT
Biomasse
Logistik
Technik
 Projekte
 Prüfung
 Publikationen
 Hangmechanisierung
 Pflanzenschutz Gerätetechnik
 Agro-Mechatronik
  Chiptuning
  ISOBUS
 Förderungen
 Veranstaltungen
Service
 

Motortuning zur Leistungssteigerung bei Traktoren

EINLEITUNG
Die Landmaschinentechnik wird von den Möglichkeiten der Elektronik und Automatisierungstechnik überrollt. Durch den Einsatz der Elektronik bei der Motorsteuerung bieten sich neue Möglichkeiten der Beeinflussung der Motorleistung. In der Praxis werden nun vermehrt Steuergeräte angeboten, mit denen die Leistung verhältnismäßig einfach und scheinbar kostengünstig um 10 bis 20% oder mehr gesteigert werden kann. Diese unter dem Namen „Chiptuning“ bekannte Methode war früher ausschließlich im Motorsportbereich üblich, ist aber neben PKW und Nutzfahrzeugen auch bei Traktormotoren zu finden.

 

DIE TECHNIK HINTER CHIPTUNING
Unter "Chiptuning" oder "Motortuning" wird der Eingriff auf die Motorsteuerung verstanden, um Drehmoment und Leistung eines Motors zu erhöhen. Dies wird durch eine höhere Einspritzmenge erreicht, indem entweder Einspritzdruck erhöht oder die Einspritzzeit verlängert wird. Folgende Möglichkeiten werden unterschieden:

  • Eine eigenes Zusatzsteuergerätwird in eine Signalleitung geschaltet. Bei dieser am häufigsten verwendeten Methode wird das Original-Motorsteuergerät nicht verändert und der Originalzustand kann relativ einfach wieder hergestellt werden. Bei elektronisch geregelten Verteiler-Einspritzpumpen werden meist die Steuergeräte in eine Steuerleitung zur Einspritzpumpe geschaltet. Bei Hochdruck-Einspritzsystemen (Common-Rail, Pumpe-Düse) wird die Ansteuerung zu den Injektoren oder auch der Raildrucksensor verwendet.
  • Austausch des Steuerchips im Motorsteuergerät: Das Original-Motorsteuergerät wird ausgebaut und zur Tuning-Firma gesendet. Dort wird der Steuerchip mit der Software getauscht. Die alten Daten werden gesichert, sodass der Originalzustand notfalls auch wieder hergestellt werden kann. Durch diese Maßnahme können umfangreichere Änderungen in der Motorsteuerung vorgenommen werden.

  • Änderung der Steuersoftware: Das Steuerprogramm im Original-Motorsteuergerät wird mit einer neuen Software bzw. neuen Einstellparametern überschrieben.

 

   
Verschiedene Tuning-Chips 

LEISTUNG und KRAFTSTOFFVERBRAUCH
Durch Erhöhung der Einspritzmenge kommt es zu einer deutlichen Anhebung der Volllastkurve. Je nach Tuningmaßnahme ist die Anhebung konstant über den ganzen Drehzahlbereich oder abhängig von der Drehzahl. Wird eine höhere Leistung gefordert ist in jedem Fall auch eine höhere Kraftstoffmenge notwendig. Wird eine bestimmte Drehzahl gefordert, ist es daher egal, ob ein Chip montiert ist oder nicht. Ein niedrigerer Kraftstoffverbrauch kann nur dann erreicht werden, wenn z.B. durch ein Fahrmanagementsystem ein günstigerer Betriebspunkt im Motorkennfeld gewählt werden kann. Auf Grund der besseren Motorausnützung bei Volllast steigt aber meist der Wirkungsgrad wodurch sich der spezifische Verbrauch verbessert.

 
Änderung der Leistung durch verschiedene Tuning-Chips

 
Änderung des Kraftstoffverbrauches

RECHTLICHE KONSEQUENZEN
Gemäß § 33 des Kraftfahrzeug-Gesetzes (BGBl. I 103/1997 vom 19.8.1997) im Zusammenhang mit einem dazu ergangenen Erlass (BMVIT Zl. 190.500/2-II/ST4/04 vom 5.4.2004) ist für eine Leistungssteigerung ab 5 % eine Eintragung in den Typenschein oder ein Einzelgenehmigungsbescheid notwendig. Dazu muss eine Freigabe des Fahrzeugherstellers oder ein Gutachten einer neutralen Prüfstelle mit einer Leistungsmessung sowie eine Werkstattbestätigung vorliegen. Eine Leistungserhöhung > 30% hat eine Einzelgenehmigung zur Folge, das heißt es müssen die Bestimmungen erfüllt werden, welche zum Zeitpunkt der Genehmigung Gültigkeit haben. Dazu müssen die Abgasemissionen, die Bremsen, die Motorleistung und der Geräuschpegel überprüft werden. Ansonst ist der Zustand eindeutig gesetzeswidrig. Drehzahl und damit die Fahrgeschwindigkeit wird durch Motortuning allerdings nicht beeinflusst.

TECHNISCHE KONSEQUENZEN
Motor, Motorkühlung, Antriebsstrang und Nebenaggregate sind bei einem Serientraktor im Sinne einer möglichst langen Lebensdauer optimal aufeinander abgestimmt. Wenn also die Motorleistung erhöht wird, ist zu beachten, dass der gesamte Antriebsstrang, also Kupplung, Haupt- und Achsgetriebe, Zapfwelle und Nebenaggregate dieser zusätzlichen Belastung ausgesetzt ist. Deshalb ist es leicht verständlich, dass mit einem Eingriff in die Motorsteuerung sofort jede Herstellergarantie verloren geht. Einige Tuningfirmen bieten daher eine Versicherung an, die allfällige Schäden abdecken soll.
Bedenklich ist auch der Umstand, dass die Leistungsüberhöhung meist mit sehr einfachen Mitteln geändert werden kann. Wird der Gehäusedeckel abgenommen, so kann in den meisten Fällen die Leistung mit Hilfe eines Schraubenziehers oder durch Kippschalter geändert werden. Ohne exakte Leistungsvermessung auf einem Zapfwellenprüfstand hat der Anwender keinerlei Kontrolle darüber, auf welche Leistung das Fahrzeug eingestellt ist.

Einfache Änderung der Leistung durch Drehen am Potenziometer

 

WEITERE VERÖFFENTLICHUNGEN

  • Prankl. H.: Motortuning bei Traktoren; Tagung "65th International Conference on Agricultural Engineering AgEng 2007" in Hannover, November 9-10

  • Prankl H.: Motortuning on Tractors; Tagungsband "65th International Conference on Agricultural Engineering AgEng 2007" in Hannover, November 9-10, 2007, Page 53 - 58

  • Prankl H., Schaufler H.: Motortuning zur Leistungssteigerung an Traktoren. BLT 05 3322. FJ-BLT Wieselburg; November 2006; Technischer Bericht zum Download

  • Prankl H.: + 20 % zum gleichen Preis! - Chiptuning an Traktoren. Der fortschrittliche Landwirt, Heft 3/2006, Seite 43 - 45

  • Prankl H.: Motortuning - auch bei Bergbauern-Spezialmaschinen möglich? Tagungsband "Landtechnik im Alpenraum" am 10. - 11. Mai 2006 in Feldkirch, FAT-Schriftenreihe Nr. 68, Seite 21 - 27

  • Prankl H.: Mit Motortuning zu mehr Leistung mit weniger Treibstoff - Was ist möglich, was ist gesetzlich erlaubt?. Die Landwirtschaft - Zeitschrift der NÖ Landes-Landwirtschaftskammer, Nr. 2/2006, Seite 7 - 8

  • Prankl H.: Chiptuning an Traktoren - Ergebnisse der Prüfstanduntersuchungen. Vortrag beim Seminar "Fahrzeugmanagement und Chiptuning bei Traktoren" des Agrarpädagogischen Institutes Wien am 27. 2. 2006 in der FJ-BLT Wieselburg

  • Prankl H.: Fahrzeugmanagement und Chiptuning bei Traktoren. Seminar gemäß Lehrer- und Beraterfortbildungsplan 2006 der Agrarpädagogischen Akademie Wien am 27. 2. 2006 in der FJ-BLT Wieselburg (als CD erhältlich zu einem Preis von € 10,00 exkl. Porto und Verpackung)

  • Prankl H.: Chiptuning bei Traktoren - Mehr Leistung zu gleichem Preis? Landfreund - das Schweizer Agrarmagazin, Heft Nr. 3, Seite 45 - 48

  • Prankl H.: Mit Chiptuning den Motor frisieren. Brandenburger Bauernzeitung, 7. Woche 2006, Seite 24 - 25

  • Prankl H.: Das Tuning mit dem "Chip" - Leistungssteigerung an Traktoren. Vortrag beim ÖKL-Kolloquium 2005 "Kraftstoffkosten sparen in der Landwirtschaft" am 24. 11. 2005 in Wien


Zugehöriges Projekt: Simulations- und Trainingscenter für Agromechatronik

Für weitere Informationen kontaktieren Sie bitte Herrn Dipl.-Ing. Heinrich Prankl per E-Mail oder über die Fax-Nummer +43 (0) 7416 52175-45.


 

 
  Eine Ebene nach Obenzum Seiten Anfang

 
 
BLT - Biomass · Logistics · Technology Francisco Josephinum
A-3250 Wieselburg, Rottenhauser Straße 1 - Tel.: +43 7416 52175-0   Fax: +43 7416 52175 45   Mail: blt@josephinum.at